Paraguay

Das ursprüngliche Südamerika entdecken

Paraguay ist ein geteiltes Land. Der Rio Paraguay trennt das Land, welches etwa so groß ist wie Deutschland und die Schweiz zusammen, in den Grand Chaco im Westen und den "Orient" genannten Osten. Während 97% der Bevölkerung im Osten leben, erreicht der Grand Chaco eine Bevölkerungsdichte von gerade einmal neun Einwohnern je km².
In Paraguay leben viele Deutschstämmige. Gerade im Chaco wurden viele Estancias von Mennoniten aufgebaut. Dort wird vor allem Rinderzucht betrieben. Für Steaks bester Güte ist also gesorgt.

Der Tourismus beginnt sich in Paraguay gerade zu entwickeln. Das Land hat etwa 50.000 Besucher im Jahr. Als Vergleich: allein die Wasserfälle des Iguaçu im Dreiländereck verzeichnen derzeit etwa 1,5 Millionen Besucher pro Jahr. 50.000 Besucher sind also wirklich nicht viel. Das hat zwar zur Folge, daß in einigen Orten die touristische Infrastruktur noch ausbaufähig ist, aber andererseits fühlen sich Besucher in Paraguay stets willkommmen. Die Freundlichkeit der Menschen, die Möglichkeiten des Entdeckens und der Charme der Estancias machen eine Reise nach Paraguay zu einem unvergeßlichen Erlebnis.
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Asunción

Unsere Reise begann in Asunción, der Hauptstadt Paraguays. Wir übernachteten im Hotel "Portal del Sol", einem wirklich feinen Hotel im "Neuen Zentrum". Wir, das ist übrigens eine kleine Reisegruppe von zwölf Personen, die in einem Bus gemütlich durch’s Land gekutscht wurde, begleitet von einem deutschstämmigen (und damit natürlich auch deutschsprachigen) Reiseleiter und einem Fahrer. An dieser Stelle mal ein dickes Lob an die zwei beiden, die haben das wirklich klasse gemacht.

Ein Besuch des Zentrums von Asunción vermittelte uns Eindrücke aus dem Leben in dieser kolonialen Stadt. Sie ist sicherlich nicht so prachtvoll wie manch’ andere Städte Lateinamerikas, kann aber mit kolonialem Charme und Gastfreundschaft aufwarten. Asonción ist eine grüne Stadt, die sich über mehrere Hügel erstreckt. Es macht einfach Spaß, diese Stadt für sich zu entdecken.

Doch zurück zum Hotel: als erstes gab’s Abendessen, natürlich Asado (span. für "Gegrilltes"). Neben unzähligen Salaten und Gemüse-Beilagen wurde bestes Rind- und Hähnchenfleisch vom Grill serviert. Wozu dann noch Gemüse essen? Begleitet wurde das Abendmahl von einer Folklore-Band. Besonders beeindruckt hat mich, welche Töne man aus einer Harfe hervorzaubern kann. Und als dann noch ein Hotelgast, eine Guatemaltekin, ebenfalls in die Saiten griff, war die gute Laune perfekt.

Trans-Chaco

Eine Straße durch die Wildnis des Chacos. Das klingt abenteuerlich, ist es auch. Allerdings nicht die Straße selber. Denn die ist sehr gut ausgebaut, asphaltiert und mit Ausweichstreifen versehen. Sogar Verkehrsschilder und Verkehrspolizei waren anzutreffen.

Aber der Chaco ist schon eine Welt für sich. Am Anfang unserer Tour, beginnend am Rio Paraguay, fuhren wir durch das Gebiet, das man den "feuchten Chaco" nennt: rotfarbener fruchtbarer Boden, optimal geeignet für Ackerbau wie Soja, Tabak oder Zuckerkraut.

Weiter auf der Ruta 9 besuchten wir mehrere Estancias, auf denen Rinderzucht betrieben wurde. Wir konnten die Gauchos bei ihrer Arbeit mit den Rindern beobachten. Das Einfangen der Tiere mit Lassos ist spektakulär und garantiert gute Fotos. Glücklicherweise spielten auch die Rindviecher mit, so daß das Ganze geradezu ein Feuerwerk an Action war. Einer der Gauchos ließ es sich nicht nehmen und präsentierte Rodeo. Auf anderen Estancias wurde uns erklärt, wie mit Hilfe der Forschung dem trockenen Land bestmögliche Viehzucht abgerungen wird.

Filadelfia

Wir verließen die Trans-Chaco, die weiter bis hinein nach Bolivien führt, in Richtung Filadelfia. Dieser kleine, von Mennoniten gegründete Ort mitten im "trockenen Chaco" besticht durch Backsteinbauten und deutschsprachige Beschilderung. Auch im Supermarkt wird deutsch gesprochen. Im Museum kann man sehen, wie mühevoll die Nutzbarmachung des Chacos war und ist. Auch lernt man viel über das Zusammenleben von Deutschstämmigen und den Ureinwohnern, die hier nach wie vor Indianer genannt werden (und auch sich selber so nennen). Hans, unser Reiseleiter im Chaco, erzählte uns viel aus seinem Leben und von seinen Eltern, deren damalige Erlebnisse bei der Nutzbarmachung des Chaco und der Annäherung zwischen Mennoniten und Indianern geradezu fantastisch klingen. Ein Hauch von Wild-West-Romantik, gepaart mit Fleiß und Entbehrungen. Nur eben weitestgehend friedlich.

Conception

Von Filadelfia aus fuhren wir weiter nach Conception. Die Stadt hat viel zu bieten: wunderschöne koloniale Gebäude, eine Bootsfahrt auf dem Rio Paraguay, ein sich vor den Kneipen auf der Straße abspielendes quirliges Nachtleben, unendlich viele Motorräder. Doch gerade hier spührten wir auch, daß die touristische Infrastruktur eben noch nicht so hoch entwickelt ist wie etwa in México. Unser Hotel war sicherlich sehr luxuriös, als es erbaut wurde. Nur war das eben vor vielen Jahrzehnten. Heute ist es sehr einfach und doch das bestmögliche, das Conception zu bieten hat. Aber auch das wird sich ändern, wie so vieles in Paraguay.

Die Stadt konnten wir bequem zu Fuß erkunden, eine Stadtführung half als erstes, die schönsten Orte zu finden. Das riesige Denkmal mit Freiheitsstatue, die Kathedrale, das Freilichtmuseum direkt auf der Hauptavenida: es gab viel zu entdecken. Und am Abend half eine Flasche kühlen Biers inmitten des Trubels, das südamerikanische Temprament zu erleben und die vielen Eindrücke verarbeiten zu können.

Villarica

Von Conception aus ging es nun wieder in den Osten, wir verließen den Chaco. Doch kurz vor Villarica erwartete uns eine weitere Überraschung: der Besuch der Schnapsbrennerei der Familie Escher. Nach einer Betriebsbesichtigung, bei der wir alles über das Schnapsbrennen erfuhren, und einer Fahrt zu einem nahe gelegenen Wasserfall lud die Familie zum Abendbrot ein. Es gab - na klar - Rindfleisch vom Grill. Und eben Schnaps. Ich muß sagen, 75prozentiger Zuckerrohrschnaps schmeckt weitaus besser als es klingt. Es war jedenfalls ein schöner und lustiger Abend.

Nach kurzer Fahrt erreichten wir nun Villarica. Diese von Franziskaner gegründete und in hügelige Landschaft eingebettete Kleinstadt ist durchaus gemütlich und weiß nicht nur mit kolonialen Bauten zu überzeugen. Der Markt ist erlebenswert und man sollte auch eine Weile dem Treiben auf dem Busbahnhof zusehen. Ein Polizist versuchte vergeblich, des turbulenten Chaos Herr zu werden. Ein Busfahrer hat immer Recht.

Itaipú

Weiter ging´s zum Wasserkraftwerk Itaipú. Dieses Gemeinschaftsprojekt von Paraguay und Brasilien ist das größte Wasserkraftwerk der Welt und wird es auch noch eine ganze Weile bleiben. Selbst die Chinesen werden die erzeugte Energie nicht überbieten können.

Schon der riesige Stausee ist beeindruckend. Aber der Staudamm ist einfach nur gigantisch. Mit der verwendeten Menge Beton könnte man eine Überlandstraße von Asunción nach New York bauen oder 210 große Fußballstadien. Mit dem Eisen könnte man 380 Eifeltürme erreichten.
Zwei Führer erklärten uns alles. Als erstes gab es für jeden einen Helm, denn wir sollten das Innere des Staudamms besichtigen. Wir wurden bei dieser wirklich interessanten Führung mit Megawattangaben vollgestopft, mit riesigen Antriebswellen konfrontiert und konnten Zahlenkolonen auf zimmergroßen Bildschirmen verfolgen. Doch ich bin kein Ingenieur. Erst die kleine Nebenbemerkung, daß das Wasserkraftwerk zehn Atomkraftwerke ersetzt, machte die Dimension für mich nachvollziehbar. Itaipú kann man getrost als Weltwunder bezeichnen.

Iguaçu

Via Ciudad del Este, einer modernen Stadt direkt an der Grenze, erreichten wir einen der Höhepunkte unserer Reise durch Paraguay: Iguaçu. Nun liegen die Wasserfälle nicht unbedingt auf paraguayanischen Hoheitsgebiet, aber dieser kleine Schönheitsfehler ist verzeihbar. Die Fälle des Iguaçu liegen im Dreiländereck etwa eine Autostunde von der Grenze entfernt. Die Grenzquerung war dank der freundlichen Grenzbeamten ein Kinderspiel.

Iguaçu - ein Naturschauspiel der besonderen Art, atemberaubend und wunderschön. Man kann es nicht beschreiben, deshalb versuche ich es auch nicht. Fahren Sie hin und erleben Sie es selbst.

November 2008
Klaus Heidemann

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