México und Guatemala
Auf den Spuren der Mayas
México und Guatemala: riesige Maya-Pyramiden, wilde Dschungel, bunte Trachten, verschwiegene Buchten und viele Hühner - so in etwa stellten wir uns die beiden lateinamerikanischen Länder vor. Deshalb reisten wir 2003 fast vier Wochen durch die Landen, um dabei Natur, Kultur und natürlich die Menschen kennen zu lernen.Indígenas, Mestizen, Spanier und ihr Stolz
Nein, nein, ganz im Ernst: Wir bereisten ein Gebiet, welches weit größer ist als Deutschland. Und genau so wenig man „den Bayern“ mit „dem Ostfriesen“ vergleichen kann, genau so wenig gibt es „den Mexikaner“ oder „den Guatemalteken“. In den mexikanischen Bergen von Chiapas begegnete uns viel Stolz auf Tradition, im guatemaltekischen Karibikstädtchen Livingston eine afrikanische Subkultur nach jahrhundertelanger Abgeschiedenheit und im Rest von Guatemala nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg überraschend viel Gleichmut. Doch eins haben all’ diese Menschen gemein: uns begegnete viel Freundlichkeit und Gastfreundschaft.
Münzen, Reggae und andere Kulturgüter
Während Bischof Diego de Landa im 16. Jahrhundert im Zentrum Méxicos sehr „erfolgreich“ agiert und die einheimische Kultur nahezu ausgelöscht hatte, so waren die Barrieren in den Bergen des Südens doch weitaus höher. Noch heute findet man dort eine reizvolle Mischung aus christlicher und „heidnischer“ Kultur. Gerade in den Dörfern rund um San Christóbal de las Casas wird das deutlich. Wir besuchten eine Kirche in San Juan Chamula: in einem äußerlich sehr katholischen Gotteshaus wartete eine Überraschung auf uns. Am Ende des Kirchenschiffs stand ein christlicher Altar. So weit kannten wir das auch von zu Hause. Doch das Kirchenschiff selber war nicht mit Bänken vollgestellt, sondern dort hatten die Einheimischen auf dem Fußboden unzählige eigene Altäre „erbaut“: Fünf brennende Kerzen und eine Schale Schnaps als Opfer für den Kranken oder Toten. Auch die Bilder an den Wänden der Kirche waren bunt gemischt: einige christliche Heilige Seite an Seite mit Schamanen und Freiheitshelden.
Sehr traditionell geht es auch am Atitlán-See in Guatemala zu. Die Dörfer rund um den sehr tiefen See, der aus einem implodierten Vulkan entstand, sind durch die einheimische Kultur geprägt. Bunte Trachten und Märkte bestimmen das Bild ebenso wie die um den Kopf gewickelten Bänder, die dann einem Hut ähneln. Eine der Frauen gewann in den fünfziger Jahren ein „Casting“ und ist noch heute auf einer guatemaltekischen Münzen abgebildet - so sagt man. Auf alle Fälle ist die Kultur rund um den Atitlán-See eines der Motive der Münzen.
Ganz anders dagegen Livingston an der Karibikküste Guatemalas. Dort landeten Sklaven, die von den Plantagen Nordamerikas geflohen waren. Undurchdringlicher Dschungel verhinderte einen Kontakt zum „Rest“ Guatemalas. Erst in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde eine Straße gebaut und somit eine Verbindung geschaffen. So begegnet uns noch heute eine afrikanische Subkultur gemischt mit karibischen Einflüssen: bunt bemalte Häuser, Reggae und karibisch-leichtes Bier.
Wie man eine Pyramide herunterrutscht
Danach fuhren wir weiter nach Uxmal (ausgesprochen: Uschmall). Wieder eine Pyramide. Sieht genau so aus, nur runder. Man wird vom Eindruck fast erschlagen. Erst in Palenque (schon am Fuße der Berge) beginnen wir dann doch, die Unterschiede zwischen den Pyramiden zu erkennen. Keine Ausgrabungsstätte ist gleich. Verstärkend kommt noch hinzu, dass in Palenque Brüllaffen den akustischen Hintergrund ausfüllen.
Nun folgte die Ausgrabungsstätte, die für uns den absoluten Höhepunkte bildete: Tikal. Neben den riesigen Pyramiden und den überwucherten Gebäuderesten (bisher wurden per Satellit mehr als 3000 identifiziert) beobachteten wir in diesem rund 64 Quadratkilometer großen Nationalpark Affen, mehrere Arten von Tucanen und viele für uns nicht identifizierbare Tiere. Tikal verkörpert die ideale Symbiose aus Kultur und Natur – Denkmäler einer längst vergangenen Kultur sind in der Einzigartigkeit und Vielfalt des Dschungels verwachsen.
Nach einem Abstecher nach Copán erreichten wir schließlich Tulum, einen karibischen Erholungsort mit der einzigen Maya-Tempelanlage am Meer. Nach der Erfahrung von Tikal erschien uns Tulum geradezu als Maya-Disneyland, denn von der Größe und der Gemütlichkeit sind diese
beiden Stätten nahezu gegensätzlich.
Dschungel und Meer, Aras und Pappnasen
Neben den Dschungelgebieten in Palenque und Tikal faszinierten uns die einzigartige vulkanisch geprägte Kraterlandschaft rund um den Atitlán-See und die Wasserfälle von Chiapas. Auch die Bootstour auf dem Rio Dulce bleibt uns unvergesslich. Dass wir dann wieder zurück in der Karibik den Sonnenuntergang über unendlichen Stränden genießen durften, bildete die optimale Ergänzung zu wildem Dschungel, Kulturdenkmälern und lebendigen einheimischen Traditionen.
Lukullische Tempel
In den Hotels bekommt man natürlich, was der Gaumen begehrt. Die einen bieten italienische, die anderen asiatische Küche und andere wiederum sind beim Speiseplan US-amerikanisch geprägt. Geht man jedoch auf die Straße, bestimmen Reis und Hühnchen das Bild. Und es gibt wahrhaft unzählige Varianten, Reis mit Hühnchen zuzubereiten. Immer wieder wurden wir durch die Vielfalt des Einerlei überrascht. Nur die Tortillas waren irgendwie immer gleich.Der liebenswerte Moloch
Anmerkung
Dieser Bericht entstand im September 2007, also viereinhalb Jahre nach unserer Reise. Sollte mir der ein oder andere Fehler unterlaufen sein, so bitte ich, das zu verzeihen. Fahren Sie nach México und Guatemala und korrigieren Sie mich danach. Sie werden neben der Befriedigung der Richtigstellung auch einen wundervollen und erlebnisreichen Urlaub verbringen. Versprochen.Klaus Heidemann
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